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Architekturbüro Maucher + Höß, Kempten

Umbau und Sanierung eines 700 Jahre alten denkmalgeschützten Gebäudes

Bauherr: Maucher + Höß Architekten BDA

 

BGF ca. 400 m2, Planung und Baudurchführung

Denkmalsonderpreis des Bezirk Schwaben 2006

 

 

 

Geschichte des Hauses:

Auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten für das eigene Büro entdeckten wir im Dezember 2004 ein leer stehendes Lagergebäude im Herzen der Kemptener Altstadt.

Als nach einigen Untersuchungen erkennbar wurde, dass das Gebäude die mittelalterliche Stadtmauer beinhaltet, wurde es nachträglich als Einzeldenkmal geschützt.

Bereits im 11. Jahrhundert, also weit vor Errichtung der Stadtmauer um 1300, stand hier ein Steinhaus, dessen Reste noch in der Trennwand zwischen den beiden großen Räumen, und der Rollsteinmauer mit Schießscharte zum Nachbargebäude erkennbar sind. Die Stadtmauer, die in ihrer gesamten Höhe erhalten ist, bildet die abgewinkelte Außenfassade zur Straße hin. Zinnen, Schießscharten, alte Fenster- und Türöffnungen sind deutlich erkennbar. Um 1500 wurden im Obergeschoß Wohnräume eingerichtet von deren Qualität die barocken Fenster zum Hof hin zeugen. Glas, Beschläge, Stock und Rahmen sind noch original. Der älteste Deckenbalken wurde von den Archäologen auf das Jahr 1308 datiert.

 

Umbaukonzept:

Im Juni 2005 begannen die Baumaßnahmen, bezogen wurde das Gebäude an Weihnachten. Leitidee der Umbaumaßnahme war, die schützenswerte Substanz möglichst vollständig zu erhalten, und die neuen Einbauten frei in den Raum zu stellen. Die alte Holzbalkendecke wurde frei gelegt, die historischen Wände wurden vom Putz befreit, sandgestrahlt und als Sichtmauerwerk konserviert.

Die neue Nutzung verlangte eine neue Gebäudetechnik. Leitungen, Schalter und Steckdosen wurden entweder im Boden, oder in den wenigen neuen Gipskartonwänden verlegt. Beheizt wird das Haus durch eine im Gussasphalt verlegte Fußbodenheizung; so konnte auf Heizkörper vor den Wänden verzichtet werden. Ein BUS- System steuert die Licht- und Datentechnik.

Ein Wärmedämm- Verbundsystem hüllt das ganze Gebäude wie eine zweite Haut ein. In dieser Ebene liegen flächenbündig die neuen, nach außen öffnenden  Fenster. Durch diese Maßnahme werden von innen Fensterstöcke und -rahmen durch die alten gemauerten Leibungen verdeckt.

 

Innenraumkonzept:

Die neuen Materialien bestimmen das schlichte, moderne Erscheinungsbild von außen. Im Inneren zeigen sich die historischen Bauteile in ihrer Ursprünglichkeit, im Kontrast zur neuen „Hülle“. Das zweigeschossige Gebäude wurde als Großraumbüro konzipiert. Sämtliche Einbauten wurden von den Wänden abgerückt, die Räume werden durch deckenhohe Schiebelemente geteilt.

Der schwarze Boden steht im Kontrast zu den hellen Möbeln aus Birke, und der Farbigkeit der Wände.

Unser Umbaukonzept legt die historische Substanz frei, ergänzt sie behutsam mit modernen Einbauten, und macht so den Charakter des Hauses wieder sichtbar.